Rennschuh-Karl-Chaussee in Pfungstadt soll zu Shark City führen

Sehr geehrter Herr Koch, sehr geehrte Stadtverordneten aller Fraktionen,

mit Rennschuh Karl (bürgerlicher Name: Karl-Heinz Straube) ist der bekannteste und möglicherweise auch beliebteste Pfungstädter im Februar 2018 im Alter von 86 Jahren verstorben. 

Da basisdemokratische Ansätze wie Bürgerbegehren und Petition heute von politischen Entscheidungsträgern offenbar nicht gerne gesehen sind, versuche ich es auf diesem Wege, meinem/unseren Anliegen etwas Gehör zu verschaffen. Quasi auf dem Wege der direkten Ansprache auf dem virtuell-öffentlichen Platz namens "Facebook Pfungstadt".

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Koch, Sie kannten unseren Rennschuh Karl möglicherweise nicht. Daher mag Ihnen die große Anteilnahme der Pfungstädter Bürger am Ableben von Rennschuh Karl fremd erscheinen. 

Zum Hintergrund: Wer war Rennschuh Karl? In der heutigen Zeit könnte man Rennschuh Karl möglicherweise am treffendsten als Aktionskünstler, Querdenker und Verfechter eines freien alternativen Lebensstils bezeichnen. Rennschuh Karl war und ist eine Identifikationsfigur für Pfungstadt, ein Charakterkopf, ein Freidenker. Er lies sich zeitlebens nie in irgend eine Schablone pressen. Er besaß mit dem Namen Rennschuh Karl eine Marke, da wussten wir alle noch gar nicht was Marketing überhaupt ist! Hierfür hat Rennschuh Karl keine kostspieligen Werbekampagnen gebraucht, keine Kochbücher keine Mitgliedschaft in der SPD (oder CDU). Er wurde zu seiner eigenen Marke. Bekannt, beliebt, beachtet, weil er als Mensch authentisch und als Charakter einzigartig war. Ein Original. Dabei war er kritisch, unangepasst, mutig, ortsverbunden und menschlich.

Nahezu jeder in Pfungstadt kannte Rennschuh Karl. Und fast jeder hat seine ganz eigene Geschichte mit ihm zu erzählen. Und irgendwie denkt man etwas wehmütig an die Zeiten zurück, als Rennschuh Karl noch unter uns weilte und durch seine unangepasste Art wie ein bunt schillernder Vogel das Pfungstädter Strassenbild bereicherte. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, Rennschuh Karl war kein Halodri! Er nahm Aufgaben und Pflichten sehr ernst. Unter anderem, als er viele Jahre für die Müllabfuhr hier in Pfungstadt arbeitete. Oft stellte er bereits in der Nacht vor der Leerung die vollen Tonnen an die Strasse, damit diese am folgenden Morgen besser geleert werden konnten. 

Nun ist Rennschuh Karl leider verstorben. In einem Pflegeheim in Bickenbach, wie man hört. Und offen gesagt, beschleicht mich ein ungutes Gefühl bei dem Gedanken, dass man einen alten Baum, quasi die älteste und bekannteste Eiche, im hohen Alter nach Bickenbach verpflanzt hat. Womöglich fehlten ihm einfach Beziehungen, um in Pfungstadt einen Pflegeplatz zu erhalten. Nun ja, es ist nicht mehr rückgängig zu machen. Leider!  

Oft bemerkt man einen Verlust erst dann, wenn er bereits entstanden ist. Rennschuh Karl hat offenkundig eine emotionale Lücke in Pfungstadt hinterlassen. Er wird uns fehlen. 

Um als Bürgerschaft und Stadt diesem besonderen Mensch eine gebührende Würdigung und Wertschätzung zu Teil werden zu lassen schlagen ich bzw. wir Ihnen Folgendes vor:

1. Bitte ernennen Sie Rennschuh Karl zum Ehrenbürger Pfungstadts. Soweit ich informiert bin, ist Herr Baier Ehrenbürgermeister von Pfungstadt. Es sei ihm vergönnt! Was spräche dagegen, mit Rennschuh Karl einen verdienten Bürger zum Ehrenbürger zu ernennen? 

2. Bitte benennen Sie eine Strasse in Pfungstadt nach Rennschuh Karl.

Zu Punkt 2 wird vorgeschlagen, die Strasse, in der das künftige SHARK CITY angesiedelt sein wird, zu benennen in:

RENNSCHUH KARL CHAUSSEE.

Falls Ihnen, ehrenwerte Stadtoberhäupter, der vorgeschlagene Strassename vielleicht nicht mondän und representativ genug erscheinen sollte, so können Sie die Strasse im Notfall "Karl-Heinz Straube-Strasse" nennen = nach dem bürgerlichen Namen.

Mit der Vergabe des Strassenamens RENNSCHUH KARL CHAUSSEE könnten die Besucher, die unsere Stadt künftig wegen SHARK CITY besuchen möchten, bereits bei der Eingabe des Zielortes in ihr Kfz-Navigationsgerät ein authentisches und einzigartiges Lokalkolorit erfahren. Ein echtes Stück Pfungstadt eben! Ein Teil von uns! Denn eins ist sicher: Unser Rennschuh Karl gehört(e) zu Pfungstadt wie die Brauerei, der Malzturm oder die Kerb!  

Und noch eine Bitte zum Schluss: Herr Koch, verklagen Sie mich bitte nicht wieder, falls dieser Vorschlag bzw. diese Wortmeldung nicht Ihr Wohlwollen findet. Ich weiss, ich bin kein Mitglied ihrer Partei. Ich bin nur ein Angehöriger der einfachen Gesellschaftskaste - ohne Beziehungen, ohne Lobby und ohne Status. Und als Andersdenkender laufe ich mit dieser Wortmeldung womöglich wiederholt Gefahr, die volle Härte der Justiz zu erfahren. Ich habe in den vergangenen Monaten rund 8000 Euro gezahlt. Sie haben mich die volle Härte des "Gesetzes" spüren lassen. Richtig so! Schließlich habe ich mich ungebührend verhalten und eine eigene Meinung vertreten. Sowas geht gar nicht. Und ich habe es ja jetzt verstanden: SIE haben Recht. 

Aber so leicht wollte ich dann doch nicht aufgeben, wenn es um das Andenken an einen besonderen Menschen wie unseren Rennschuh Karl geht. Pfungstadt hat nicht allzu viele Besonderheiten, nicht allzu viele Charakterköpfe und Identifikationsfiguren. Bitte lassen Sie uns, den Pfungstädter Bürgern die hier schon länger leben, unseren Rennschuh Karl feiern. Und geben Sie ihm den Respekt und Wertschätzung, die er verdient. Vielen Dank.

 

 

 

 

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