EU_BURGERBEWEGUNG_ALL

z. Hd.

Herrn Günther Oettinger

EU-Kommissar für Energie

B – 1049 – BRUXELLES

Belgien

 

z. Hd.

Frau Connie Hedegaard

EU-Kommissarin für Umweltpolitik

Rue Archimède, 73

1000 – BRUXELLES

Belgien

 

Kopie an: Herrn Jo Leinen

jo.leinen@europarl.europa.eu

 

Sehr geehrte Frau Hedegaard,


Sehr geehrter Herr Oettinger,

bei der Vorstellung der Untersuchung „IMPACTS OF SHALE GAS & SHALE OIL EXTRACTION ON THE ENVIRONNEMENT AND HUMAN HEALTH“ (IP/A/ENVI/ST/2011-07), verfasst von Stefan Lechtenböhmer unter der Mitwirkung von Lorenzo Vicario, die die Besorgnis der europäischen Bürger bezüglich des klimatischen Wandels beweist, haben Sie – Frau Hedegaard als EU-Klimakommissarin – erklärt, dass Sie „ein Moratorium über Schiefergasbohrung nicht befürworten“, mit der Begründung, dass Sie „von vornherein eine Technologie nicht zurückweisen können“.

Nach dieser Debatte verweigerte sich die Kommission, die Schiefergasförderung in Europa völlig abzulehnen; die Europäische Union bleibt zwischen „Energiesicherheit“ und „Umweltschutz“ hin und her gerissen. Und Sie, Herr Oettinger als EU-Energiekommissar, haben sich „für die Verabschiedung EU-weit geltenden Normen und für die Unterbreitung eines entsprechenden Vorschlages bis 2012 ausgesprochen“.

Jedoch haben Sie – Herr Oettinger - laut einem Artikel der heutigen Ausgabe des „The Wall Street Journal“ angekündigt, dass die Europäische Kommission sich gerade gegen eine neue gesetzliche EU-weite Regelung bei der Förderung von Gas und Öl aus Schiefergestein ausgesprochen hat.

Seinerseits hatte der Europa-Abgeordnete Jo Leinen gegenüber dem „The Guardian“ geäuβert, dass er eine Richtlinie wünsche, die voraussetzen würde, dass die Kraftstoffe mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt, wie aus Schiefergas und Ölsand, innerhalb der EU streng geregelt werden sollten. Jo Leinen behauptete, dass diese Art gesetzliches Rahmens sicherlich begrüβt wird, da die Rolle des Schiefergas innerhalb des weltweiten Energieangebotes zahlreiche EU-Abgeordnete immer mehr Sorgen bereitet.

Auβerdem hat der EU-Rat ein Aktionsprogramm über das Grundwasser und eine Revision der Richtlinie 80/68/EWG des Rates vom 17. Dezember 1979 über den Schutz des Grundwassers gegen Verschmutzung durch bestimmte gefährliche Stoffe im Rahmen einer globalen Politik zum Schutz der Süβgewässervorkommen gefordert.

Die Natur braucht Millionen Jahren, um in einem Temperaturbereich zwischen 100 und 150°C Kohlenwasserstoffen in den meisten Muttergesteinen zu erzeugen. Jedoch sind diese natürlichen Ressourcen, insbesondere die fossilen, nicht unbegrenzt, und genau darin besteht die Herausforderung dieses Jahrzehnts, der wir heute gegenüber stehen.

Es herrscht Übereinstimmung über die Tatsache eines globalen Klimawandels. Heute, angesichts der groβen Herausforderung des 21. Jahrhunderts, nämlich die unumkehrbaren Erschöpfung der natürlichen Ressourcen möchten die Bevölkerungen die Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung in der Tat umsetzen, denn unser derzeitiges Modell hat keinen Bestand mehr. Dabei ist eine Energiewende nicht nur möglich, sondern auch wirtschaftlich tragfähig, es ist nicht nur möglich, sondern ES IST DIE EINZIGE OPTION, weil wir vor der gröβten und dringenden Bedrohung unseres Zeitalters stehen.

Es ist sicherlich nützlich Sie an die durch die „Fracking“ Technologie begleitenden Risiken zu erinnern : Nutzung über 700 Chemikalien, darunter viele krebserregende Stoffe – in diesem Zusammenhang meint Adam Law – Endokrinologe an der Medizinischen Hochschule Weill Cornell in New York -, dass ein Moratorium über die Fracking Technologie durchgesetzt werden sollte, bis die Fragen zu den gesundheitlichen Auswirkungen geklärt sind. Dazu kommen die erwiesene und bewiesene Verschmutzung des Grundwassers und die Erdbeben-Risiken.

WIR – EUROPÄISCHE BÜRGER – VERLANGEN EINEN ANDEREN WEG IN DER ENERGIEWENDE – denn DER SCHEITELPUNKT DER ÖLFÖRDERUNG IST ERREICHT- mit dem Ziel einer beachtlichen Verringerung der Nutzung von fossilen und der nuklearen Energie, um dem Ende der „einfachen fossilen Energie“ vorzugreifen sowie ein Verbot für die Exploration und die Förderung von Schiefergas in Europa, und um das traditionelle Paradigma(*) eines vertikalen Netzwerkes durch ein auf verantwortungsvolle Bürger aufbauendes System mit einem horizontalen und interaktiven Netzwerk zu ersetzen.

„Ein Traum-Szenario“ denken Sie wohl! Jede Aktion ist möglich, jede Aktion ist realistisch und realisierbar, bevor der Tag kommt, an dem wir keine Nahrung, kein Licht und keine Wärme mehr haben, weil wir die falschen Entscheidungen getroffen haben. Die Bürgerbewegungen – welche demonstrieren und sich auflehnen – SIND AUSDRUCK DIESES FUNDAMENTALEN WILLENS. Es muss ALSO auf jegliche Steuerungs- und Ordnungsmethode zugegriffen werden. Wir besitzen bereits alle Instrumente dafür. In Europa heiβt es DIE AARHUS-KONVENTION, DENN WIR SIND DAS VOLK.

Wir wollen eine Änderung, nicht nur bei der Entscheidungsfindung zum Energie-Mix: wir wollen ein Europa, das sich an die menschlichen Bedürfnisse ausrichtet, und nicht ein Europa, das sich für die Zufriedenheit und den Gewinn von wenigen Leuten einsetzt, ein Europa, das die Demokratie nicht mehr ablehnt.

Sehr geehrten Damen und Herren, bitte hören Sie den Aufruf der EUROPÄISCHEN BÜRGER (EU-Bürgerbewegung).

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(*)  Von Th. Kuhn in die Wissenschaftstheorie eingeführter Begriff für die eine Wissenschaft in einem bestimmten Zeitraum prägenden allgemeine akzeptierten Auffasungen. Hierzu zählen sowohl methodologische Konzepte als auch intuitive Grundeinstellungen zu Phänomenen. (Gabler Wirtschaftslexikon)

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